woensdag 25 april 2018

AVA'70 lid Björn Weier loopt Marathon van Bonn

Marathontijd Björn Weier 3:40:14 uur
TOP oder GLOP?
Ich laufe locker durch die Bonner Innenstadt, die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich stelle mir wieder einmal die Frage, die ich mir schon so häufig in meinem Läuferleben gestellt habe: Was wäre eigentlich möglich, wenn ich ein Planer wäre, wenn ich mein Training strickt nach Schema und jährlichen Zyklen absolvieren würde - so, wie es Sinn macht, wenn man gute Leistungen erzielen möchte? Aber leider laufe ich nun einmal nicht gerne nach Plan, bin lauftechnisch meistens eher kurzentschlossen, man könnte sagen, ich bin ein GenussLäufer ohne Plan, ein GLOP.

Und so war auch die Idee zur Teilnahme am Bonn Marathon wieder eine ziemlich kurzfristige Entscheidung gewesen. Schließlich hatte ich einen Termin auf der Marathon-Messe und wenn ich schon mal da war… Gut vier Wochen ist es nun her, dass ich beim 6 Stundenlauf in Rheine am Start stand. Mit zu wenigen langen Einheiten in der Vorbereitung lief diese Veranstaltung für mich suboptimal. Vor allem in den letzten der zu absolvierenden 5 KM-Runden wäre ich wohl eine leichte Beute für jeden mittelmäßig trainierten Walker gewesen. Glücklicherweise hat der GLOP aber einen Vorteil gegenüber dem Planer, er ist äußerst flexibel. Und so rechnete ich kurz durch, wie fit ich wenige Wochen nach Rheine in Bonn wohl sein könnte:

zu wenige lange Läufe in der Vorbereitung für Rheine
+ 6 Stundenlauf in Rheine
+ ein oder zwei weitere lange Einheiten vor Bonn
+ die Erfahrung von vielen Marathons und einiger Ultras
= gute Marathon-Form

Nun muss ich lange an diese Rechnung denken. Hinter mir liegt die erste Hälfte des Bonn Marathons. Strahlender Sonnenschein, eine schöne Strecke und gute Stimmung prägten die ersten 21 Kilometer. Alles fühlt sich gut an, ich bin locker unterwegs und fast ein wenig überrascht, wie gut es läuft, immerhin konnte von einer gezielten Vorbereitung nicht wirklich die Rede sein. Nun ist es in Bonn so, dass die Marathondistanz aus einem Zwei-Runden-Kurs besteht. Während ich also locker trabend das gute Wetter genieße und den Gedanken durchspiele, vielleicht auf der zweiten Hälfte doch noch einmal richtig anzugreifen, fällt mein Blick auf die erneut zu absolvierende Kennedybrücke. „Kenn ich schon!“ schießt plötzlich ein nörgelnder Gedanke durch meinen Kopf. Nanu, was vermiest mir da plötzlich meine goldige Stimmung? Ich laufe irritiert weiter, bleibe brav hinter den beiden Läufern, denen ich schon die ganze Zeit über folge, und verwerfe zunächst den Gedanken, schneller zu werden. Eigentlich sind die Beine locker, alles läuft wie geschmiert, aber wieder meldet sich nach einigen Minuten die nörgelnde Stimme „Bestzeit kannst Du eh nicht mehr laufen, hättest Du Dir früher überlegen müssen,…die Kehre da kenn ich übrigens auch schon …“. Ich rechne meine Zielzeit hoch, die ich bei gleichbleibendem Schnitt erreichen würde. Hm, nicht Fisch nicht Fleisch, da hat der Nörgler schon recht. Aber eigentlich wollte ich den Lauf ja auch nur locker absolvieren. Ruhig bleiben, weiter genießen, denke ich. 

Doch plötzlich geschieht es, bei Kilometer 23 übernimmt die Stimme endgültig die Oberhand. „Langsamer, langsamer! Keine Lust mehr…Zeit ist eh schlecht… kenn ich schon, kenn ich schon…!“ Wie auf Knopfdruck sackt meine Geschwindigkeit ab, die beiden Läufer vor mir entwischen und ich bringe keine Motivation auf, ihnen weiter zu folgen. Allein meine Beine wehren sich noch tapfer, bleiben locker, aber auch sie können gegen den Geschwindigkeitsverfall nicht verhindern. Der Kopf will nicht mehr und der Körper merkt nun beleidigt an, dass wir ja auch in letzter Zeit überhaupt nur Bummeltempo gelaufen wären. Ein Moment der Panik entsteht, schließlich obsiegt ein Gefühl der Antriebslosigkeit, bis sich der Nörgler wieder meldet. „Na toll, in diesem Bummeltempo sind wir ja noch ewig unterwegs…“. Ich laufe langsam weiter, zumindest weiß ich durch die Erfahrung vieler Wettkämpfe, dass ich finishen werde. Aber ich weiß auch, dass ich mal wieder mit mir hadern werde, weil ich ohne gezielten Trainingsplan nur schwer zufriedenstellende Zeiten laufen kann. Bei uns im Lauftreff werde ich manchmal etwas belächelt, weil ich für meine Leistungen dann gerne eine ganze Liste von Ausreden parat habe. Zu warm, zu windig, zu kalt, zu viel Regen, zu wenig Regen, zu langweilige Strecke… Hier und heute aber stimmt alles. Schließlich laufe ich nach einer gefühlten Ewigkeit über die Ziellinie und habe tatsächlich immer noch keine Ausrede parat. Als mir die Finisher-Medaille um den Hals gehängt wird aber muss ich lächeln – mehr war heute nicht möglich. Ich bin halt ein GLOP, ich kann nichts dafür…

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